Gleichstellungsbericht 2009

Abgelegt unter: Neuigkeiten — 12. Februar 2010 @ 18:50

Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die die Europäische Union und die ganze Welt erschüttert, hat zweifellos Auswirkungen auf Frauen, ihre Arbeitsbedingungen und ihren Platz in der Gesellschaft. Was wir daher nicht negieren können ist, dass wir nun auch in einer Sozialkrise leben. Einerseits schockieren die steigenden Arbeitslosenzahlen – vor allem in Spanien und Griechenland. Das Problem zweiten Grades ist, dass dieses Umfeld doppelt so hart Frauen trifft. Denn diese sind es die am Teilzeitmarkt und am Markt für befristete Arbeitsverträge  dominieren und auch die Einstellungsgespräche werden vom Vorurteil erwarteter Schwangerschaften charakterisiert. Der Grundsatz „gleiches Arbeitsentgelt bei gleicher Arbeit“ ist seit 1957 in den Gemeinschaftsverträgen verankert und die EU spielt in der Tat eine Vorreiterrolle. Dennoch müssen wir 53 Jahre später leider feststellen, dass dieser Grundsatz nicht immer einheitlich zur Anwendung gebracht wird. Außerdem stagniert das geschlechtsspezifische Lohngefälle leider seit 2000 auf hohem Niveau – und das trotz unterschiedlicher europäischer Rechtsvorschriften. Wie es in der Entschließung des Europäischen Parlaments vom 18. November 2008 zur Anwendung des Grundsatzes des gleichen Entgelts für Männer und Frauen heißt, muss eine Frau bis zum 22. Februar des Folgejahres arbeiten (d.h. insgesamt also 418 Kalendertage), um genauso viel zu verdienen wie ein Mann in einem Kalenderjahr. Für mich ist noch störender als das Verhältnis 362/418, dass die Frauen noch immer in einem Rollenmuster verankert sind, in welchem sie sich eigentlich nicht wohlfühlen. Die Aufgabe der Politik ist es natürlich Familienleben und Tradition zu unterstützen, jedoch ist es auch vielmehr ihre Aufgabe Selbstbestimmung hochzuhalten und Frauen zu unterstützen ihre Ziele zu erreichen und gläserne Decken zu durchschlagen.
 

PS: Eine Studie der Beobachtungsstelle für die Feminisierung von Unternehmen der Ceram Business School, dass die Börsentalfahrt eines Unternehmens umso harmloser verlaufen ist, je mehr Frauen in diesem Unternehmen Führungspositionen bekleidet hatten. Keine Sorge, ich möchte mein eigenes Geschlecht nicht schlecht reden, doch müssen Frauen in Unternehmen und in der Gesellschaft insgesamt stärker eingebunden werden, um Irrtümer der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

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